Die Blue Mountains ca. 100 km östlich von Sydney: Ein Paradies für Wander- und Outdoor-Freunde! Da ich ja nun schon einige Male wandern war und eigentlich (schönes Wort J) ein Freund von Abenteueraktivitäten bin, habe ich mich ein wenig erkundigt, was man in den Blue Mountains noch so machen kann. Dabei stieß ich auf die Firma „Blue Mountains Adventure Company“ (www.bmac.com.au) – und da ist der Name Programm! Autsch!

Nina von BMAC war extrem nett und am Ende durfte ich die Canyoning-Tour kostenlos mitmachen – Boomerang Reisen sei Dank! Drei verschiedene Touren wurden mir vorgeschlagen und nach einigen Überlegungen blieben zwei übrig: Eine eher leichte Tour mit tollen Aussichten, etwas Zeit im Wasser und im Canyon und insgesamt ein entspannter Tag. Oder eben die anstrengende Variante im North Bowens Canyon mit steilen Ab-und Aufstiegen runter und zurück, viel Zeit im (kalten) Wasser, einigen nicht zu verachtenden Felssprüngen und zwei Abseilvarianten. Ich habe tatsächlich kurz überlegt und wer die Überschrift gelesen hat, dem ist klar: Die Freund muss ihrem Ego wieder einmal etwas beweisen und hat sich für die harte Variante entschieden. Naja, eigentlich hatte ich mir gedacht, dass ein Workout-Tag ruhig mal sein kann. Immerhin komme ich hier nicht oft dazu, Sport zu machen. Und abgesehen davon ist es ja nun auch nicht so, dass ich mich in schlimmster körperlicher Verfassung befinde. Also auf zum Sport!

Sport! Hah! Mit Sport hatte das nicht viel zu tun… Oder doch: Extremsport! Die Gruppe bestand insgesamt aus sieben Leuten: Zwei Guides, die derartige Touren sechs Mal in der Woche machen und entsprechend erfahren und durchtrainiert sind. Dazu zwei 19-jährige Schweden sowie einem ca. 20-jährigen Holländer und einem Australier Anfang 30. Na großartig, alle jünger, alles Typen. Zunächst ging es über eine unbefestigte Straße leicht bergab zum Einstieg – die Welt war in Ordnung, wir haben uns nett unterhalten und der Druck, mit den Jungs mitzuhalten, fiel langsam von mir ab. Und auch nach dem Einstieg runter zum Canyon hatte ich das Gefühl, dass das schon alles so passt. Zwar war ich die Erste, die auf dem Hintern lag, aber nicht die Letzte und relativ schnell sahen wir alle aus wie kleine Erdmännchen – oder riesige Wildsäue. Leider muss ich auf einem Stück, das ich per Hinterteil hinab gerutscht bin, meine Kamera verloren haben. James, einer der Guides, ist zwar noch einmal suchen gegangen, aber diesen Verlust muss ich nun schmerzhaft verzeichnen. Das ist auch der Grund, warum ich auf den Bildern nicht zu sehen bin – es sind von BMAC zur Verfügung gestellte allgemeine Bilder. Total schade, denn es wären sicherlich einige Fotos zur Erheiterung meiner Leser dabei gewesen…

Nach ca. 1,5 Stunden haben wir die Tiefe des Canyons erreicht, zogen die Neoprenanzüge an, banden uns die Gurte für das Abseilen um und auf ging es ins in der Tat recht kalte Wasser. Über Stock und über Stein. Schon am Anfang merkte ich meine Beine vom Abstieg und der Neo, das Geschirr sowie der Rucksack mit all dem Zeugs machten sich bemerkbar. Denn immer wieder galt es Hindernisse zu überklettern, im Wasser zu schwimmen, zu laufen oder zu springen und dabei am besten nicht auszurutschen und sich direkt den Knöchel zu brechen. Allerdings sind wir dafür auch mit spektakulären Aussichten und engsten Schluchten mitten im Canyon und im Fluss belohnt worden. Landschaftlich und auch sonst war die Tour der absolute Hammer! Und wirklich ein Abenteuer. Ich war damals in Venezuela und Brasilien auch Canyoning, aber diese Tour war definitiv noch eine Ecke anspruchsvoller. Die Jungs steckten alles ziemlich entspannt weg (oder sie haben es sich nicht anmerken lassen), sodass ich schon beim ersten Felssprung nicht wirklich lange darüber nachdenken konnte, ob ich es jetzt gut finde, aus drei Metern Höhe in ein enges, von Steinen umgebenes Wasserbecken zu springen oder nicht. Mitten im Sprung schubste mich Charles (der andere Guide) auch noch ein Stück weiter nach links, damit ich auch in dem Becken und nicht auf einem der Felsen lande…

So cool die Tour auch war, so sehr habe ich am Ende im Canyon kämpfen müssen – das Austesten persönlicher Grenzen hatte ich schon lange nicht mehr gemacht. Doch dann war es geschafft – auf einer kleinen Lichtung im Fluss kamen wir an ein Wasserbecken und…. ein zehn Meter Felssprung stand an. Ehhhhhh, ne, Leute, ohne mich! Ich habe mich dann, gemeinsam mit dem anderen „Oldie“ der Gruppe, für die fünf Meter Variante entschieden – das reichte! Ego hin oder her – ich bin jetzt 36, die Schweden-Jungs hätten meine Kinder sein können, die sollen das mal machen, ich muss auf meinen Astralkörper achten. Und auch die fünf Meter hatten es in sich, wenn man erst mal da oben steht. Immerhin wartet unten kein klares, gechlortes Poolwasser sondern eben ein Wasserloch und was da unten ist, das weiß man auch nicht so genau… Glücklich aß ich danach mein Sandwich, stopfte mir Schokolade rein und wusste nicht, was mir noch bevor stand.

Denn wer in einen Canyon reinklettert, der klettert auch wieder heraus. 1,5 Stunden Abstieg heißen somit zwei Stunden Aufstieg. Meine Beine waren eigentlich schon am Limit, aber es half ja nichts – Ommi musste irgendwie da hoch. Und es war echt eine Quälerei. Ich sah aus wie ein Schwein, es war ziemlich heiß und mehrfach habe ich mich gefragt, warum ich solche Aktionen immer wieder freiwillig mache. Doch am Ende weiß ich es: Weil es, wenn man es geschafft hat, das großartigste Gefühl der Welt ist. Auch wenn es diesmal ganz hart an der Grenze war – sogar beim NYC Marathon habe ich weniger gelitten als bei dieser Tour. Kein Scheiß.

Fazit eines sehr anstrengenden Tages: Ich habe heute noch (die Tour war am Mittwoch, heute ist Montag!) Muskelkater in den Oberschenkeln. Die gröbsten blauen Flecken sind jetzt gelb und lila. Die Kratzer und Schrammen sind fast verheilt. Ich habe keine Kamera mehr.

Es war der Kracher! Tolle Tour und so viel sei gesagt: Wir sind ca. eine Stunde früher in Katoomba angekommen als geplant – wir waren trotz Ommi als schwächstes Glied in der Gruppe relativ zügig unterwegs. Kein Wunder – die skandinavischen Bergziegen haben ja auch ein ordentliches Tempo vorgelegt. Ob ich die Tour wieder machen würde? Eher nicht! Ein Mal reicht. Aber empfehlen kann ich sie jedem! Denn sie pusht einen immer wieder ans Limit und dazu ist es landschaftlich einfach überragend! Danke Blue Mountains Adventure Company für diese einmalige Erfahrung – insbesondere an Charles und James (und sorry Charles, dass ich dir aus Versehen ins Gesicht getreten habe…)!