Vorab einmal eine Hintergrundinformation zu meiner Reiseroute: Ich habe mich ganz bewusst dagegen entschieden, Queensland im Nordosten des Landes zu besuchen. Auch, wenn dort wirklich jeder hinfährt und wirklich jeder zu mir gesagt hat: „WAAAAAS, du machst die Ostküste nicht?!?“ Nein, mache ich nicht, denn mein Körper braucht keine Temperaturen über 35 Grad mit tropischer Hitze. Deswegen geht es an der Ostküste Richtung Süden bzw. Südwesten ab Sydney – zwar noch warm, aber gemäßigter. Ich habe Angst, dass mir sonst mein Hirn auf Niedrigtemperatur langsam, aber sicher durchgegart wird.

 

Haha, ich hatte die Hitze im Norden der Westküste unterschätzt! Es ist zwar eine trockene Hitze, aber mein inneres Kühlungssystem läuft auf Hochtouren und es erinnert mich an einen doch legendär heißen Urlaub mitten im Hochsommer auf Kuba mit Robin. Wie schon auf einigen Bildern zu sehen, hatten wir zum Teil bis 48 Grad in der Spitze und Stefan und ich haben lange überlegt, ob wir in den Karijini-Nationalpark fahren sollen – denn der liegt im Vergleich zu den meisten Dingen, die wir bisher angeschaut haben, im Landesinneren Richtung Outback und alle, denen wir gesagt haben, dass wir noch dorthin wollen, haben uns leicht entgeistert angeschaut. Schon mal vorab: Wir haben nicht einen einzigen Australier im Park gesehen – die wissen es eben besser ;-)

Am Ende haben wir uns aber für den ca. 700 km langen Roadtrip von Coral Bay nach Karijini entschieden, denn der Park soll atemberaubend sein. Aber alles der Reihe nach….

Montagmorgen sind wir also in Coral Bay, unserem absoluten Highlight, losgefahren, knapp 700 km lagen vor. Die vorbeiziehende Landschaft bestand zunächst aus sehr dürrer Steppe, Sträuchern, Büschen, ein paar Rindern und Ziegen am Wegesrand (wir haben schon länger keine Kängurus mehr gesehen…). Ab dem Nanutarra Roadhouse wurde es dann langsam etwas grüner, wir fuhren etwas höher und kamen schließlich gegen 16:30 Uhr in der Minenstadt Tom Price an. Tom Price ist nach dem Amerikaner Thomas Moore Price benannt, einer der Hauptförderer des Eisenerzes in der Pilbara-Region. Auch ein Berg wurde nach ihm benannt, der heute aber bereits komplett abgetragen ist.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte man entdeckt, dass es in dieser Gegend Eisenerzvorkommen gibt, doch erst 1952 wurden die ersten Geologen durch den Industriellen Lang Hancock in die Gegend geschickt. Aufgrund eines Ausfuhrembargos für Eisen und Stahl waren diese Entdeckungen jedoch nicht viel wert. Als Konsequenz des des Zweiten Weltkrieges hatte Australien dieses Exportverbot erlassen, welches erst 1960 aufgehoben wurde. Doch danach ging es dann los: Rambazamba im Gebirge. Innerhalb kürzester Zeit wurden ganze Städte errichtet, um die Mine in einem Affenzahn auszubeuten – nicht nur der Mount Tom Price verschwand, auch vom Mount Newman ist nichts mehr übrig. Heute wird das „rote Gold“ aus Tagebaugruben gewonnen und in den asiatischen Raum verschifft, nachdem es mit riesigen Road Trains zur Küste transportiert wurde, ca. 290 Milliarden Tonnen im Jahr!

Tom Price konnten wir als Stadt nicht viel abgewinnen, dem Campingplatz dort auch nicht… Allerdings sind wir mit dem Auto auf den wenig liebevoll benannten Berg „Mount Nameless“ (Berg ohne Namen) gefahren, von dem man einen grandiosen Ausblick über die Region hat und sich das Ausmaß der Minen annähernd vorstellen kann. Überall fahren Minenfahrzeuge rum, es besteht deutlicher Männerüberschuss und mein Vater als auch all meine Brüder und mein kleiner Neffe hätten hier wohl Tage verbringen können… Brumm, brumm und „Ackergiganten“ sage ich da nur.

Genug von Lkw, Road Trains, Minen und Baggern. Der Grund unserer Anwesenheit war schließlich der angeblich schönste Nationalpark Westaustraliens! Der zweitgrößte Park des Bundesstaates ist 6274 qkm groß und besteht aus steilen und tiefen Schluchten, vielen Flüssen und Billabongs, einer breiten Artenvielfalt und: SONNE!!!! Hier ein Auszug aus meinem Reise know-how für Westaustralien:

„HITZE: Bei aller Schönheit der Natur sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es hier im Sommer extrem heiß wird (… ach was…). Das Thermometer steigt häufig über 40 Grad (haha, das stimmt nicht, es steigt auch über 45 Grad!).“ (Quelle: Reise know-how Westen und Zentrum).

Wir sind ja extra früh los gefahren und hatten geplant, einfach nur runter zur „Dales Gorge“ zu gehen und dort am und im Wasser den Tag zu verbringen. Denn wir hatten, ganz geisteskrank sind wir ja nun nicht, vorher im Visitor Centre angerufen und uns nach den Begebenheiten im Park erkundigt und die nette Dame am Telefon hatte diese Idee. Und die war gut! Um halb neun lagen wir im kühlen Wasser der Dales Gorge, trafen ein paar weitere irre Deutsche, die in der Hitze unterwegs waren und fanden es in der Tat nicht so heiß, wie wir erwartet hatten. Also haben wir auch noch den Dales Gorge Walk unternommen, ca. 3 km durch die Schlucht bis zu einem weiteren Pool – und es war wirklich wunderschön. Durch die Schluchten dieser zerklüfteten Landschaft zu laufen war toll, direkt am kleinen Fluss und zum Teil auch im Schatten, sodass wir die Wanderung über Stock bzw. Stein gut meisterten. Raus aus der Schlucht mussten wir aber auch wieder. Also hoch gekraxelt und in der prallen Sonne zurück zum Auto – 3 km. Es wurde warm…. Nächster Abstecher war das Visitor Centre im Park selbst, aber leider sind wir dort genau so kompetent beraten worden wie von unserer Parkinformationskarte J Der Frau war es wohl auch einfach zu heiß. Am Ende sind wir noch ein wenig mit dem Auto rumgefahren, die Kalamina Gorge runter gestiegen, Stefan war noch mal planschen und zum Schluss haben wir uns zwei weitere Lookouts angeschaut mit bombastischen Ausblicken über die Schluchten und den Park. Aber es war am Ende doch dann einfach viel zu heiß, als dass wir noch weitere Wanderungen hätten unternehmen können – die Akkus meines Kühlsystems liefen am absoluten Limit.

Nichtsdestotrotz! Der Park ist der Hammer und ich kann ihm jeden ans Herz legen, der gern wandert und ein Naturfreund ist. Aber vielleicht ist die bessere Reisezeit tatsächlich April bis Oktober, dann soll im Frühling auch alles schön blühen!

Den Rest des Tages haben wir dann im Auto Richtung Newman und in Newman verbracht – einer weiteren Minenstadt. Details über diese Geschichte spare ich mir jetzt mal. Alles in allem war es ein toller, sehr heißer Tag mit vielen wirklich schönen Eindrücken. Jetzt bin ich aber erst einmal froh, dass wir den Rückweg nach Perth (ca. 1.400 km ab Karijini) antreten und dort auf gemäßigte (30 Grad ist für mich jetzt gemäßigt) Temperaturen treffen.