Australier sind unkompliziert und spontan! Hier wieder mein neuestes Beispiel. Gegen halb zwei nachmittags kam ich am Mittwoch in Apollo Bay, einer kleinen Hafenstadt an der Great Ocean Road an. Am Vortag hatte ich mir vorgenommen, mal wieder etwas aktiver zu werden und nicht nur den ganzen Tag im Auto zu sitzen (was bei den riesigen Distanzen hier gar nicht so einfach ist). Also schlenderte ich um 13:48 Uhr in einen Surfladen  (http://apollobaysurfkayak.com.au/) und wollte mich nach verschiedenen Ausflugstouren erkundigen. Um 14:10 Uh hatte ich einen Neoprenanzug an und eine Paddel in der Hand!
Kurz vorab: Am Morgen war ich schon im Otway Nationalpark gewesen und hatte den Tree Top Walk gemacht. Leider war mir das beim Schreiben des ersten Teils der Great Ocean Road entfallen. Heißt so viel wie: Kann man machen, kann man aber auch lassen. Es ist total nett, keine Frage und schon auch eine Erfahrung, quasi in den Baumwipfeln rumzulaufen, aber man fährt eben auch ein Stückchen dort hin. Was ich im Vorhinein nicht wusste: Man kann dort Zip Lining machen. Man wird an ein Stahlseil in den Bäumen gehängt und rast dann im Affenzahn durch die Luft durch den Wald. Leider waren die nächsten Touren an dem Tag bereits ausgebucht – denn das hätte meinen Besuch sicherlich ganz anders aussehen lassen.
Wie dem auch sei: Ich taperte in den Surfladen und erkundigte mich nach Seekajak- und Mountainbike-Touren. Und ganz kurz spielte ich mit dem Gedanken, das Stück von Apollo Bay zu den 12 Aposteln mit dem Rennrad zu bewältigen – 86 km! Hui, sicherlich eine Erfahrung, aber als ich am nächsten Tag das Stück mit dem Auto fuhr, war ich heilfroh, dass ich mich dagegen entschieden hatte. Die Definition von „recht flach“ der Dame hinterm Tresen hatte eher was mit meiner Definition von „Bergetappe“ gemein. Und dann meinte sie: „Mark, when does the sea kayaking tour start?“ – Antwort: „Now!“. Die Dame sieht mich an, überlegt kurz und meint: „Fahr runter nach Marengo zum Strand (Anmerkung: Ich bin nicht von hier!), da fragst du nach Ella, die ist da mit den Kajas, da kannst du mitmachen. Komm danach einfach vorbei und bezahl dann.“ Okayyyy, Beine in die Hand genommen, einmal kurz verfahren, in Marengo am Strand angekommen und ich stand wirklich um kurz nach zwei im Neo vor meinem Kajak und doch recht ordentlichen Wellen. Daran mussten wir vorbei, denn wir wollten eine Seelöwenkolonie besuchen. Ich hatte Glück und saß mit Ella im 2er Kajak – zwei deutsche Mädels sind direkt erst mal gekentert.
Aber dann kamen wir bei den Seelöwen an, die erst etwas misstrauisch schauten, dann näher angeschwommen kamen und um uns herum schwammen – und bestialisch stanken. Naja, wenn du viel Fisch isst… dann stinkst du eben auch nach Fisch…
Auf dem Rückweg haben wir noch „catching waves“ gespielt. Du wartest wie beim Surfen mit dem Kajak auf eine Welle, paddelst dann wie wild und lässt dich mit dem Kajak von der Welle an den Strand tragen. Direkt bei der ersten sah ich mich um und damit leider die große Welle hinter uns und hörte Ella nur noch brüllen: „This one is going to break right on us, we should better get….“ Das „off“ hörte ich in dem Moment als das Kajak über unsere Köpfe hinweg flog, mich unter sich begrub, ich einen ordentlichen Schluck Meerwasser trank und dann an den Strand getragen wurde – nur ohne Kajak. Total zerzottelt rappelte ich mich wieder auf und wir mussten beide ziemlich lachen, das war etwas schief gegangen. Also wieder raus! Und die nächsten beiden Male hat es super geklappt und wir waren im Kajak wellenreiten – absolut zu empfehlen!
Insgesamt war es wieder ein etwas aktiver Tag – Tree Top Walk und Seekajakfahren und entsprechend glücklich und müde war ich am Abend, den ich auf dem Campingplatz in Apollo Bay mit Blick aufs Meer und einen riesigen Hundehaufen auf meiner Campsite verbrachte.