Ich habe ja schon etwas überlegt, ob ich die Snowy Mountains auf dem Weg nach Melbourne noch mitnehme oder nicht. Immerhin hatte ich mir ja vorgenommen, mehr Urlaub und weniger „Babs ballert sich die Tage bis oben hin voll“ zu machen J Aber ich wollte schon noch ein wenig wandern gehen – das waren die letzten Berge dieser Tour. Also entschied ich mich, den „Umweg“ durch die Berge zu nehmen und machte mich auf den Weg nach Cooma (klingt wie Koma – wie passend ;-))

Die Snowy Mountains sind Teil des bereits alpinen Hochlandes im Südosten Australiens. Wie gut, dass ich Stefan meine Jacke mitgegeben hatte – wird schon nicht so kalt. Natürlich nicht, im alpinen Gebirge sowieso nicht. Frau Freund kann das auch ohne Jacke. Der höchste Berg des Landes, Mt. Kosciuszko, liegt mit 2.228 m (süß) im Mt. Kosciuszko-Nationalpark und da sollte es für mich hingehen. Da ich nicht genau wusste, wie ich mich zeitlich verplanen sollte, war mein erster Weg ins Visitor Center in Cooma. Und hier muss ich wirklich noch einmal betonen, wie toll diese Visitor Center in Australien sind. Wir bzw. ich sind immer extrem gut beraten worden, die zum Teil älteren (meist) Damen bekommen wenig Geld für ihre teils ehrenamtliche Arbeit und sind so unglaublich hilfsbereit und haben immer einen guten Rat parat. Außerdem spart es einem immens viel eigene Recherchearbeit und ich habe bisher auch jedes Mal nach einem Besuch gedacht: Ach, gut, dass ich gefragt habe – das hätte ich selbst anders (und zwar nicht besser) gemacht.

Die nette Dame schickte mich also noch einen Ort weiter nach Jindabye – von dort könnte ich noch heute (also am selben Tag) die 19 km lange Wanderung namens „Summit Walk“ zum Gipfel des Mt. Kosciuszko machen. Klar, nach 5,5 Stunden Autofahrt, ohne Jacke, kaum was gegessen – schaffen wir! Alles kein Ding. Schnell sechs Chicken Nuggets reingehauen, Flasche Wasser aufgefüllt und losgefahren. Kurz vorher noch den Campingplatz klargemacht für den Abend (falls es doch länger dauern sollte) und los ging es in den Nationalpark. Ganz kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, doch die komplette große 22 km lange Wanderung zu machen, aber das wäre mit der Dämmerung sehr knapp geworden und komplett geisteskrank bin ich dann doch nicht. Also machte ich mich auf den Weg zum „Summit“ des Mt. Kosciuszko.

Der Weg war gar nicht wild, es ging leicht bergauf, keine extremen Steigungen oder Klettereien und ich war guter Dinge. Nach ca. einer halben Stunde zog ich mir dann mein langärmliges Shirt an – es wurde doch ein wenig frisch in der Höhe und bei dem Wind. Nach einer weiteren halben Stunde folgte der Pullover. HUI, es wurde kälter und immer windiger. Die Sonne hatte sich hinter einer ziemlich dicken Wolkenschicht versteckt und ich stapfte tapfer weiter bergauf. Hatte ich erwähnt, dass ich vergessen hatte, etwas zum Essen einzupacken? Irgendwie war ich an dem Tag ziemlich chaotisch unterwegs und nach 6 km, gerade an der Seamans´s Hut angekommen, signalisierte mir mein Kreislauf: So, Schluss jetzt. Du spinnst! Ab nach Hause. Somit lieferten sich Engelchen (Kreislauf) und Teufelchen (Ego) einen erbitterten Kampf darum, wie es weitergeht. Denn immerhin waren es noch 3,5 km bis zum Gipfel und der Weg wollte auch wieder zurück gelaufen werden. Wärmer würde es bestimmt nicht…

Am Ende siegte die Vernunft und das war auch gut so. Es war einfach nicht mein Tag, das Canyoning steckte mir noch immer bei jedem Schritt in den Beinen und schweren Herzens habe ich umgedreht und bin die 6 km wieder zurück gelaufen. Sehr, sehr schade. Aber mein Kreislauf war am Ende sehr froh über die Banane, die Packung Kekse und den halben Liter Cola – das alles hat er am Auto direkt zugeführt bekommen J Trotzdem habe ich einen Eindruck von der tollen Landschaft bekommen, sieht man auch auf den Bildern.

Am nächsten Tag ging es dann über den Alpine Way nach Melbourne – insgesamt acht Stunden im Auto, davon der erste Teil über nette Serpentinen. Entsprechend platt kam ich dann in Melbourne an und freute mich, dass ich für die beiden Nächte ein Hotel mit einem riesigen Bett und einem eigenen Bad hatte :-)

 

P.S: Auf dem Rückweg gab es noch Motorflieger am bizarren Lake Hume – leider konnte man nicht mitfliegen.