Wahrzeichen der Stadt, weltberühmt, bekannt zu Silvester mit wilder Böllerei und einfach einmalig! Das Opernhaus von Sydney kennt jeder aus dem Fernsehen und hinter diesem Gebäude steckt eine Geschichte, die sogar mich beeindruckt hat! Denn wer mich kennt, der weiß, dass ich eigentlich ein Kulturbanause bin. Kaum ein Museum hat mich wirklich je beeindruckt (Ausnahmen: Sipan-Museum in Peru, Checkpoint Charlie-Museum in Berlin), ernsthaft interessiert oder mich derart angezogen, dass ich unbedingt hinein musste. Ich bin einfach lieber draußen. Deswegen auch die Frage der Fragen in Sydney: Was mache ich mit dem Opernhaus?

Gesehen haben muss man es, keine Frage! Das ist wie mit dem Petersdom im Vatikan, gesehen muss man ihn haben! Aber muss man auch die Tour gemacht haben? Denn entweder ist es die geführte Tour oder eine Performance – sonst kommt man in die Hütte nicht rein. Meine erste Wahl: Performance! Denn just an dem Wochenende gab es eine Sonderaufführung der Sydney Philharmoniker von Beethovens 9. Symphonie. Denn Kulturbanause hin oder her: Bei Musik bin ich es nicht! Aber: Samstagabend ausverkauft! Alternativtermin: Sonntagnachmittag 14 Uhr. Noch zwei Sitze frei, je 120,00 Euro. Uff. Und ich war ja erst um kurz nach 12 vom Höllenboot runter und konnte schlecht relativ nass und in kurzen Hosen in die Oper! Nach langem Hin und Her habe ich mich also gegen Beethoven entschieden und für eine geführte Tour. Zudem zog der Himmel gegen 16 Uhr gefährlich zu und pünktlich zu Tourbeginn um 16:30 Uhr jagte ein Gewitter über die Stadt, das sich sehen lassen konnte Und ich war im Trockenen. Alles richtig gemacht!

Ich finde ja, dass jede große Stadt ein mehr oder minder gescheitertes Großprojekt braucht. Berlin hat den Flughafen (oder das, was daraus mal werden soll), Stuttgart hat einen Bahnhof (demnächst) und in 2017 hat Hamburg auch angeblich eine fertig gestellte Elbphilharmonie (sehr lustiger Artikel vom Postillon dazu unter http://www.der-postillon.com/2013/02/lego-startet-neue-serie-gescheiterte.html). Und das Gute ist: Niemanden wird es interessieren, wie teuer sie war und wie groß die zeitliche Verzögerung. Denn das Opernhaus von Sydney schreibt eine ganz ähnliche und dazu noch sehr melancholische Geschichte.

Gegen Ende der 40er Jahre hatten einige Stadtherren die Idee, ein Opernhaus errichten zu lassen. Immerhin galten diese Bauten international als Symbole von Prestige und Modernität. Über 200 Vorschläge wurden von internationalen Architekten eingereicht – unter anderem auch von Jorn Utzon, einem 38-jährigen Dänen. Zunächst wurde sein Vorschlag, tollkühn wie er war, abgelehnt, doch eines der Jurymitglieder kramte die Unterlagen wieder aus der Tonne und am Ende bekam Utzon den Zuschlag. Und das, obwohl niemand wusste, wie das futuristische Gebäude aus ingenieurstechnischer Sicht gebaut werden sollte. Und dennoch gab es einen finanziellen Rahmen sowie ein Datum zur Fertigstellung. Ein Schelm, wer denkt, dass das doch gar nicht funktionieren KANN! Planfakten: 3,5 Mio. Britische Pfund Gesamtkosten, Fertigstellung am 26. Januar 1965 am Australia Day. Bitte merken!

Immer wieder wurde technisches Neuland betreten, die Berechnung der Dachmuscheln ist vor dem Bau des Opernhauses noch nie vorgenommen worden (hatte HochTief nicht so was Ähnliches zum Dach der Elbphilharmonie gesagt?!). Trotzdem sollte Utzon mit den Arbeiten beginnen, immerhin löst man Probleme dann, wenn sie da sind. Leider häuften sich diese jedoch und Jorn Utzon wurden im Jahr 1966, sieben Jahre nach Baubeginn, die Gelder gesperrt und er verließ Australien. Die Fertigstellung des Gebäudes erfolgte durch eine Gruppe junger australischer Architekten und am 20. Oktober 1973 wurde das Opernhaus von Queen Elizabeth II. (aka Lizzy) feierlich eröffnet. Schlappe 8,5 Jahre später als geplant und mit Gesamtkosten in Höhe von 50 Mio. Britischen Pfund. Mal eben das 14-fache der geplanten Kosten. Na, da ist in Hamburg ja noch Luft nach oben! Und am Tage der Eröffnung, erfuhr ich während der Führung durchs Haus, wurde Ludwigs 9. Symphonie aufgeführt. OH MANN! Noch jetzt ärgere ich mich, dass ich mich nicht einfach platschnass für 120 Euro in die Bude gesetzt habe.

Traurig, aber wahr: Obwohl Australien das Kunstwerk Utzons im Nachhinein als Seiniges anerkannte und ihn 1999 als Wiedergutmachung einlud, an der Renovierung des Hauses teilzuhaben, setze Utzon nie wieder einen Fuß auf australischen Boden. 1999 war er bereits zu alt und gesundheitlich angeschlagen, um dem Angebot nachzukommen. Utzon starb im Jahr 2008, ohne dass er sein Bauwerk je selbst ansehen konnte. Damit die Geschichte aber nicht allzu traurig endet, hat sein Sohn an den Renovierungsarbeiten mitgewirkt und seinen Vater entsprechend vertreten.

Abgesehen davon, dass diese Geschichte doch sehr rührend ist, wenn man bedenkt, wie viel Wertschätzung das Gebäude heute bekommt, war die Tour sehr interessant! Wir konnten einige der Aufführungsräume sehen und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Eine Stunde Zeit sollte man sich dafür in der Tat nehmen und sicherlich ist eine Aufführung oder ein Konzert ein unvergessliches Erlebnis, das ich bei meinem nächsten Sydney Besuch besser planen und definitiv nachholen werde!